Zurück zur Homepage
Zurück zur Predigtsammlung

Mariae Himmelfahrt

Thema: Erster ist Christus
Lesg./Ev.: 1Kor 15,20-27
erstellt am 15.08.99
von Eberhard Gottsmann, OStR
Lesung aus dem 1. Korintherbrief

Lesung

15,20 Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. 21 Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören. 24 Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt. 25 Denn er muß herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat. 26 Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod.

Predigt

Liebe Christen!

Anscheinend ist es immer das gleiche: jedes Forschungsergebnis, jede Lehre, ja sogar jeder Erfahrungsbericht wird sofort von einigen Leuten umgemodelt, die glauben, es besser zu wissen.

Auch im Korinth der 60er Jahre nach Christus, wo Paulus die ersten Christen gewonnen und sie mehr als ein Jahr lang betreut hatte, tauchen solche Besserwisser auf, wie wir anhand der Lesung bemerken.

Sie behaupten, daß zwar Christus selbst auferweckt wurde, daß das aber für alle anderen keine Gültigkeit habe. Allenfalls bleibe ein unzerstörbarer geistiger Kern des Menschen übrig, aber der Leib sei vergänglich und könne an der Auferstehung keinen Anteil haben.

Paulus ist über eine solche Verflüchtigung des Auferweckungsglaubens empört. Für ihn als Juden ist Auferweckung immer eine Auferweckung des GANZEN Menschen, mit Geistseele und Leib (wobei wir uns den Leib nicht materiell vorstellen dürfen - im Gegensatz zum Körper!); die griechische Vorstellung von einer Trennung der unsterblichen Seele vom vergänglichen Körper ist ihm fremd.

Nun argumentiert Paulus folgendermaßen: Wenn die Toten nicht wirklich auferweckt werden, dann gilt das auch für Christus. Allerdings ist dann der ganze christliche Glaube sinnlos geworden. Dann ist Sünde und Tod gar nicht entmachtet, und auch die Menschen, die mit Christus durch die Taufe verbunden waren, sind für immer verloren. Am erbärmlichsten sind sogar die dran, die für Christus gekämpft und Verzicht geleistet, vielleicht sogar ihr Leben für ihn hingegeben haben. Denn die armen Leute haben alles für ein Trugbild, für eine Illusion geopfert.

Nun ist aber Christus tatsächlich auferweckt worden, dafür steht Paulus gerade, er und viele andere haben ihn persönlich erlebt, wie er ihnen als Verklärter begegnet ist. Und das war keine einmalige Tatsache, sondern ein Modell für uns alle.

Christus ist eine "Erstlingsfrucht" der Entschlafenen, so drückt das Paulus aus und bezieht sich dabei auf den jüdischen Brauch, vor der Ernte Gott die ersten Garben darzubringen.

Mit anderen Worten sagt Paulus, und er unterstreicht es, indem er Christus als zweiten Adam bezeichnet, der in seinem Schicksal das Schicksal aller Menschen symbolisiert: Die Auferweckung Jesu Christ ist keine Ausnahme, sondern der Anfang einer Kettenreaktion. Was mit ihm begonnen hat, setzt sich in seinen Gläubigen fort.

Das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel hat genau diesen Punkt zum Inhalt. Maria, die Mutter Jesu, ein Mensch wie wir alle, darf genau das erleben, was auch auf uns alle wartet. Sie ist keine Ausnahmefigur, sondern zeigt uns, wozu wir alle - „Adamssöhne" und „Evastöchter" - berufen sind: zur Gemeinschaft mit ihrem Sohn in Gott, in der wir unsere Vollendung und unser ewiges Glück finden.

AMEN

Zurück zur Predigtsammlung

Zurück zur Homepage