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Neujahr 2000

Thema: Heute leben - vertrauensvoll leben
gehalten am 01.01.2000 10:30h ESB
von Eberhard Gottsmann, OStR

Eröffnung

Liebe Christen!

Zum Beginn des Jahres 2007 nach Christi Geburt möchte ich Sie alle recht herzlich begrüßen. Sagte ich „2007"? - Sie haben recht gehört. Wir sind schon längst im 21. Jahrhundert, auch wenn angsterfüllte Endzeitprediger und Nostradamus-Fans immer noch auf den Weltuntergang zum „Jahrtausendwechsel" warten. Und nicht einmal das stimmt: wie mittlerweile die meisten wissen, würde der Jahrtausendwechsel sowieso erst am 31. Dezember 2000 stattfinden. Wenn aber die Welt zur Jahrtausendwende untergehen soll, dann ist sie bereits 7 Jahre untergegangen - und wir haben das noch gar nicht gemerkt.

Aber wieso schreiben wir in Wirklichkeit das Jahr 2007?

Nach den Forschungen der letzten Jahrzehnte kann Jesus nicht im Jahr 0 geboren sein, weil es das Jahr 0 gar nicht gab. Auch nicht im Jahr 1: denn Herodes, unter dessen Herrschaft Jesus zur Welt kam, starb bereits 4 vor Christus.

Längst weiß man auch, wie es zu dieser falschen Berechnung kam: Ein Mönch namens Dionysius Exiguus plante im Jahr 525, die bisherige Zählung ab der Gründung Roms durch die Zeit nach Christi Geburt zu ersetzen und und berechnete aufgrund der Regierungszeiten der Römischen Kaiser den Kalender neu - aber leider falsch, wie wir heute wissen.

Willkommen also im 21. Jahrhundert, und beginnen wir 2000 + 7 - wie jedes Jahr - indem wir uns besinnen und Gott um seinen Beistand auch im kommenden Jahr anrufen.

Predigt

Liebe Christen!

In einer uralten Geschichte wird ein weiser Mann gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sein könne.Er gab zur Antwort:„Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich ..."

Da sagten die Leute: „Das, was du gerade gesagt hast, das tun wir doch auch!"

Da antwortete er: „Nein, das tut ihr nicht. Wenn ihr betet, dann seid ihr schon wieder bei euren Geschäften. Wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon. Wenn ihr steht, dann lauft ihr schon. Und wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel."

Der Mann hat recht. So ganz bei der Sache sein - wer kann das schon? Immer sind wir mit den Gedanken woanders, meistens in der Zukunft: „Was muß ich als nächstes tun - wann endlich ist Feierabend - mir graut schon vor morgen, so viele Termine ...!"

Gerade heute werden unser aller Gedanken vorauseilen: das frischgebackene Jahr 2000 steht vor uns. Erinnern Sie sich noch: vor genau einem Jahr waren die meisten ebenfalls hier versammelt. Hätten Sie damals erraten können, was sich inzwischen ereignet hat? Mehr noch: hätten Sie damals schon beeinflussen können, was später auf sie zukam?

Manche Pläne sind vielleicht in Erfüllung gegangen, wie wir es erhofft haben. Aber die wirklichen Überraschungen sind viel häufiger. Genauso wird es auch wieder im kommenden Jahr sein. Wie oft wird wieder etwas eintreten, das ich mir nicht im Traum vorstellen kann!

Sie kennen alle das Wort Jesu: „Sorgt euch nicht um den kommenden Tag!" Ich würde gern ergänzen und sagen: „Versucht doch nicht dauernd, Gott in seine Pläne zu pfuschen, indem ihr ihm vorschreiben wollt, was er zu tun hat! Er weiß es ja doch am besten."

Was da allerdings nötig ist, ist Vertrauen. Und vertrauen kann man nur, wenn man Gott so sieht, wie Jesus uns unentwegt klarmachen möchte.

Gott ist ein liebender Vater, der niemals etwas tun würde, das uns im Endeffekt schadet - im Gegenteil: der alles tut, damit wir unser eigentliches Lebensziel, das ewige Glück mit ihm, erreichen.

Diese vertrauensvolle Gelassenheit ist der springende Punkt, der anscheinend allen Weltuntergangspropheten und sorgenvollen Nervenbündeln fehlt. Die dauernde Angst vor dem Morgen lähmt und verbraucht unglaublich viel Energie - genau die Energie, die ich für den heutigen Tag mitbekommen habe. Es ist wichtig, daß ich diesen Gedanken wiederhole: meine Energie reicht immer nur für einen Tag, reicht immer nur, daß ich mich voll und ganz auf das konzentrieren kann, was HEUTE zu tun ist - auch auf Weichen, die HEUTE für die Zukunft zu stellen sind. Der morgige Tag hat seine eigenen Sorgen - und die Energie dazu werde ich erst morgen bekommen.

Dazu brauche ich aber eine innere Einstellung, die man mit „Glauben" bezeichnen kann.

Glauben im Sinne Jesu heißt aber nicht: „ich nehme mit religiöser Unterwerfung des Willens und des Intellekts sowohl alle Lehren, die der Papst, als auch alle Lehren, die das Bischofskollegium verkündet, an, wenn sie ihr ordentliches Lehramt aus üben, und auch wenn sie diese Lehren in einer nicht endgültigen Art und Weise vortragen" - wie die römische Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger definiert hat. Nein, mit einer solchen Definition hatte Jesus wirklich nichts am Hut! Nebenbei: diese Art von Glauben erwartet auch jede Sekte!

Glauben im Sinne Jesu heißt:

In diesem Sinne sollten wir vertrauensvoll das Neue Jahr beginnen, für das wir jetzt in diesem Gottesdienst den Segen Gottes erbitten.

AMEN

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